Bildtechniken – Teppich
Geschichte, Funktion und Bedeutung textiler Bilder
Der Teppich zählt zu den ältesten bildhaften Gestaltungsformen der Menschheit. Er ist Boden- und Wandbild zugleich, dient der Wärme- und Schalldämmung und verbindet Funktion mit Ornament, Symbolik und Handwerkskunst.
Der Teppich ist eines der ältesten „Bilder-plus“-Produkte der Menschheitsgeschichte. Er ist weit mehr als ein dekoratives Objekt: Teppiche dienen als Boden- und Wandbekleidung, schmücken Räume, dämmen Wärme und Schall und erfüllen je nach Kultur vielfältige Funktionen.
Vor allem bei nomadischen Kulturen waren Teppiche multifunktionale Gebrauchsgegenstände. Sie ließen sich leicht transportieren, schnell aus- und einrollen und wurden als Sitzfläche, Wandbehang, Schlafunterlage oder sogar als Türvorhang für Jurten genutzt.
Teppiche – die Geschichte
Da Teppiche aus vergänglichen Materialien wie Wolle, Seide oder Pflanzenfasern bestehen, ist ihre frühe Geschichte nur lückenhaft überliefert. Der älteste erhaltene Teppich wurde 1949 im Pazyryk-Tal in Südsibirien entdeckt. Seine Entstehung wird auf etwa 500 v. Chr. datiert.
Man geht davon aus, dass dieser Teppich in Westasien gefertigt wurde.
Heute befindet er sich in der Eremitage in St. Petersburg.
Er belegt, dass bereits in der Antike hochentwickelte textile Bildtechniken existierten.
Der Teppich kommt nach Europa
Um etwa 330 v. Chr. brachte Alexander der Große erstmals Orientteppiche von seinen Asienfeldzügen nach Europa. Eine dauerhafte Verbreitung im Abendland setzte jedoch erst mit den Mauren ein, die ab dem Jahr 710 n. Chr. von Nordafrika nach Spanien gelangten und dabei auch die Kunst des Teppichknüpfens mitbrachten.
In der Folge entwickelte sich der Teppich zu einem begehrten Luxusgut, das zunächst vor allem in Kirchen, Palästen und wohlhabenden Haushalten Verwendung fand.
Teppichfertigung
Heute unterscheidet man Teppiche vor allem nach ihrer Herstellungsweise.
- Orientteppiche werden traditionell von Hand auf einer rahmenartigen Knüpfvorrichtung gefertigt. Jedes Muster entsteht Knoten für Knoten.
- Europäische Teppiche werden meist gewebt – ursprünglich auf Webstühlen, später auch maschinell.
Diese unterschiedlichen Techniken prägen nicht nur die Optik, sondern auch Haltbarkeit, Struktur und akustische Wirkung der Teppiche.
Der Gebetsteppich
Der Gebetsteppich hat im Islam eine besondere Bedeutung. Er dient dazu, den Boden für das Gebet zu bedecken und sicherzustellen, dass keine Unreinheiten das Gebet ungültig machen.
Im Freien wird in der Regel kein Gebetsteppich verwendet, da im islamischen Verständnis die Erde selbst als reinigend gilt und die Berührung des Bodens ein Zeichen der Demut ist.
Frühe Gebetsteppiche waren einfache Matten. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie jedoch immer kunstvoller gestaltet. Typisch ist das nischenartige Innenfeld, das den Mihrab der Moschee symbolisiert und die Gebetsrichtung nach Mekka vorgibt.
Teppiche heute
In Europa werden Teppiche heute überwiegend als Bodenbelag eingesetzt. In vielen Regionen des Orients hingegen haben sie ihre vielseitige Nutzung bewahrt: als Boden- und Wandbild, Polsterung, Raumteiler oder Türvorhang.
Wie Akustikbilder tragen Teppiche zur Verbesserung der Raumakustik bei. Sie absorbieren Schall, speichern Wärme und prägen mit ihren Mustern, Farben und Materialien die Atmosphäre eines Raumes.
Damit verbinden Teppiche bis heute Funktion, Bildwirkung und Sinnlichkeit – eine Eigenschaft, die sie mit modernen akustisch wirksamen Bildlösungen teilen.
