Der Tastsinn
Neben Sehen und Hören spielt der Tastsinn eine zentrale Rolle für unsere Wahrnehmung. Er ermöglicht Berührung, Temperatur- und Schmerzwahrnehmung und macht Materialien erfahrbar. Dieser Artikel erklärt Aufbau, Funktion und die Bedeutung der haptischen Wahrnehmung.
Dass wir Bilder sehen können, ist selbstverständlich. Dass sich Akustikbilder sogar hören lassen, wird beim Thema Raumakustik deutlich. Doch unsere Akustikbilder lassen sich auch ertasten und erfühlen. Im Gegensatz zu rein digitalen Bildern werden sie zu einem haptischen Erlebnis.
Definition: Tastsinn
Der Tastsinn ist die Fähigkeit von Lebewesen, Berührungen wahrzunehmen und zu interpretieren. Er umfasst Empfindungen wie Berührung, Druck, Vibration, Temperaturunterschiede und Schmerz.
Diese Reize werden von unterschiedlichen Rezeptoren in der Haut aufgenommen und über Nervenbahnen an das Gehirn weitergeleitet, wo sie verarbeitet und interpretiert werden.
Aktive und passive Wahrnehmung
Der Tastsinn lässt sich in einen aktiven Teil, die haptische Wahrnehmung, und einen passiven Teil, die taktile Wahrnehmung, unterteilen. Passiv bedeutet hierbei das reine Wahrnehmen von Berührungen, aktiv hingegen das bewusste Ertasten.
Haptische Wahrnehmung
Als haptische Wahrnehmung bezeichnet man das aktive Ertasten von Eigenschaften wie Temperatur, Gewicht, Größe, Form und Oberflächenstruktur eines Objekts. Sie beruht auf dem Zusammenspiel von Oberflächen- und Tiefensensibilität.
Im Unterschied zu anderen Sinneswahrnehmungen ist die haptische Wahrnehmung keinem einzelnen Sinnesorgan zugeordnet. Stattdessen bezieht sie ihre Informationen aus verschiedenen Rezeptortypen und freien Nervenendigungen, die in der Haut sowie in tieferen Gewebeschichten verteilt sind.
Besonders hoch ist die Dichte dieser Rezeptoren an den Fingerkuppen und an der Zungenspitze, während beispielsweise die Haut des Rückens eine vergleichsweise geringe Rezeptorendichte aufweist.
Rezeptoren des Tastsinns
Thermorezeptoren
Thermorezeptoren sind freie Nervenendigungen in Haut und Schleimhäuten, die Temperatur und Temperaturänderungen wahrnehmen. Es gibt spezialisierte Rezeptoren für Kälte und für Wärme.
Bei einer Hauttemperatur zwischen etwa 31 °C und 35 °C wird meist keine Temperaturänderung wahrgenommen. Temperaturen unter 30 °C werden als Kälte, Temperaturen über 36 °C als Wärme empfunden.
Mechanorezeptoren
Mechanorezeptoren reagieren auf mechanische Reize wie Berührung, Druck und Vibration. Sie wandeln diese Reize in elektrische Signale um, die an das Gehirn weitergeleitet werden.
Nozizeptoren
Nozizeptoren sind Schmerzrezeptoren. Es handelt sich um freie Nervenendigungen, die in allen schmerzempfindlichen Geweben des Körpers vorkommen. Zum Tastsinn zählen insbesondere jene Nozizeptoren in der Haut, die den Oberflächenschmerz wahrnehmen.
Die Lokalisation des Schmerzes lässt sich dabei meist eindeutig dem betroffenen Körperbereich zuordnen.
Die Tiefensensibilität
Auch die Tiefensensibilität ist keinem einzelnen Organ zugeordnet. Sie informiert das Gehirn über die Position und den Aktivitätszustand von Gelenken, Muskeln und Sehnen.
Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Eigenwahrnehmung und ermöglicht es dem Gehirn, die aktuelle Körperstellung (Stellungssinn) zu erfassen. Zusätzlich liefert sie kontinuierliche Rückmeldungen über Bewegungen und deren Umfang (Bewegungssinn) sowie über Kraft- und Widerstandsverhältnisse.
