Die Rotbuche – Baum des Jahres 2022
Die Rotbuche ist einer der wichtigsten Laubbäume Europas und prägt viele Wälder in Deutschland. In diesem Artikel geht es um Verbreitung, Merkmale und Nutzung – und darum, warum der Spruch „Der Eiche weiche, die Buche suche“ bei Gewitter ein gefährlicher Trugschluss sein kann.
Der Baum des Jahres 2022 ist ein in großen Teilen Europas heimischer Laubbaum: die Rotbuche. Rund 15 % der Laubbäume in deutschen Wäldern sind Rotbuchen – damit ist ihr Anteil der größte unter den Laubbäumen.
Verbreitung und Wuchs
Die Buche ist heute von Südskandinavien bis Sizilien verbreitet. Sie ist ein sommergrüner Laubbaum, wird typischerweise etwa 30 m hoch und kann in dichten Wäldern auch 45 m bis 50 m erreichen. Der Stamm kann einen Durchmesser von bis zu 200 cm ausbilden. Rotbuchen können bis zu 300 Jahre alt werden. Sie blühen und fruchten in einem Alter von etwa 30 bis 200 Jahren.
Früchte und Blätter
Die Früchte der Buche sind die Bucheckern. Sie wurden in der Vergangenheit auch zur menschlichen Ernährung verwendet, sind jedoch leicht giftig. Schon der Verzehr einer Handvoll Bucheckern kann zu Unwohlsein führen.
Auch die Blätter der Buche sind essbar. Traditionell galten sie als entzündungshemmend und wurden zum Beispiel bei Geschwüren als Wundauflage verwendet oder bei Zahnfleischproblemen zerkaut.
Rinde
Die Rinde der Buche ist grau und glatt und zeigt meist erst im Alter eine leichte Borkenbildung.
„Der Eiche weiche, die Buche suche.“ – guter Rat oder Trugschluss?
Der Spruch soll einen Rat geben, wie man sich bei Gewitter im Wald verhalten soll: Schutz unter einer Buche suchen statt unter einer Eiche. Entstanden ist dieser Irrglaube, weil man an Eichen nach Gewittern häufiger Blitzschäden am Stamm findet, während Buchen oft keine sichtbaren Blitzrinnen aufweisen.
Die Schlussfolgerung unserer Vorfahren lautete: Der Blitz schlägt nicht in Buchen, sondern in Eichen ein – das stimmt leider nicht.
Warum sind Blitzschäden bei Buchen oft weniger sichtbar?
Die Rinde der Buche ist meist sehr glatt. Regenwasser läuft daher häufig als geschlossener Film an der Rinde herunter. Trifft ein Blitz den Baum, kann er diesem Wasserfilm bis zum Boden folgen, ohne die Buche dabei deutlich aufzureißen.
Warum platzen Eichenstämme häufiger auf?
Die Rinde der Eiche ist deutlich rauer. Dadurch entsteht meist kein durchgehender Wasserfilm. Ein einschlagender Blitz sucht sich den Weg des geringsten Widerstandes – dieser führt dann häufig durch das wasserführende Splintholz. Durch die Hitze verdampft Wasser schlagartig, der Stamm kann aufplatzen, und der Blitzschaden wird sichtbar.
Wichtiger Hinweis zum Verhalten bei Gewitter
Bei Gewitter im Wald sollte man möglichst hohe Bäume und Erhebungen meiden. Bei nahen Blitzeinschlägen nimmt man am besten eine kauernde Position am Boden ein – mit Abstand zum nächsten Stamm.
Das Holz der Buche
Das Holz der Buche ist weißlich bis grauweiß; Splint und Kernholz sind oft nicht klar zu unterscheiden. Die Markstrahlen sind sehr breit und deutlich abgegrenzt. Die Poren lassen sich häufig mit bloßem Auge erkennen. Die Zuwachszonen sind durch porenärmeres, dunkleres Spätholz als Jahresringe gut sichtbar.
Verarbeitung und Verwendung
Das Holz der Buche lässt sich mit vielen Werkzeugen gut und leicht verarbeiten. Es ist schäl- und messerbar und lässt sich gut hobeln, drechseln und polieren. Farbe, Lack und Leim werden in der Regel gut angenommen.
Buchenholz wird massiv und als Furnier verwendet – unter anderem im Möbelbau, im Innenausbau sowie für die Spielzeugherstellung.
