Binaurales (beidohriges) Hören
Binaurales Hören ermöglicht es dem Menschen, Richtung und Bewegung von Schallquellen zu erkennen. Durch zeitliche, pegelbezogene und spektrale Unterschiede zwischen beiden Ohrsignalen entsteht räumliches Hören – eine grundlegende Fähigkeit für Orientierung und Sprachverständlichkeit.
Binaurales Hören bezeichnet die Fähigkeit, mit zwei Ohren zu hören und aus den Unterschieden beider Ohrsignale die Richtung und Bewegung einer Schallquelle zu bestimmen.
Diese Fähigkeit ist sowohl für Beutetiere als auch für den Menschen als Jäger von großer Bedeutung. Gefahren oder relevante Geräusche zu hören, bevor sie sichtbar sind, war und ist ein entscheidender Überlebensvorteil.
Prinzip des binauralen Hörens
Die beiden menschlichen Ohren sind im Mittel etwa 180 mm voneinander entfernt. Trifft ein Schallereignis nicht frontal, sondern aus seitlicher Richtung auf den Kopf, erreicht der Schall ein Ohr früher als das andere.
Diese minimalen Unterschiede werden vom Gehirn hochpräzise ausgewertet und ermöglichen eine sehr genaue räumliche Ortung.
Zeitliche Differenzen (Laufzeitunterschiede)
Je nach Position der Schallquelle benötigt der Schall unterschiedlich lange Wege zu den beiden Ohren. Das weiter entfernte Ohr wird minimal verzögert erreicht.
Das menschliche Gehör ist in der Lage, zeitliche Unterschiede von etwa 10 Nanosekunden wahrzunehmen. Das entspricht 0,00000001 Sekunden.
Im dargestellten Beispiel beträgt der Laufzeitunterschied etwa 0,00037 Sekunden – eine Differenz, die deutlich wahrnehmbar ist und eine sichere Richtungsbestimmung erlaubt.
Pegeldifferenzen
Neben Laufzeitunterschieden spielen auch Pegeldifferenzen eine Rolle. Bereits ein Unterschied von etwa 1–2 dB zwischen den beiden Ohrsignalen reicht aus, um eine Richtungsänderung wahrzunehmen.
Diese Pegeldifferenzen entstehen durch Abschattungseffekte des Kopfes, insbesondere bei seitlich eintreffendem Schall.
Klangfarbenänderungen
Bei höheren Frequenzen beeinflusst der Kopf den Schall zusätzlich durch frequenzabhängige Abschattung. Dadurch verändert sich die Klangfarbe des Signals am weiter entfernten Ohr.
Diese spektralen Veränderungen werden vom Gehirn ausgewertet und liefern zusätzliche Hinweise auf Richtung und Höhe der Schallquelle.
Bedeutung für die Raumakustik
Binaurales Hören ist eine wichtige Grundlage für Sprachverständlichkeit und räumliche Orientierung. In akustisch ungünstigen Räumen können starke Reflexionen und lange Nachhallzeiten diese feinen Unterschiede überlagern.
Eine gute Raumakustik unterstützt daher das natürliche binaurale Hören und reduziert Höranstrengung sowie Ermüdung.
