Der Cocktailparty-Effekt
Selektives Hören in komplexen Klangumgebungen
Der Cocktailparty-Effekt beschreibt die Fähigkeit des Menschen, sich trotz vieler gleichzeitiger Geräusche gezielt auf eine einzelne Schallquelle zu konzentrieren. Dieses Phänomen ist eng mit binauralem Hören und der Verarbeitung von Sprache im Gehirn verknüpft.
Als Cocktailparty-Effekt bezeichnet man die menschliche Fähigkeit, aus einem Wirrwarr von Geräuschen einzelne Schallquellen gezielt wahrzunehmen und andere weitgehend auszublenden.
Dieses Phänomen kennt man aus Alltagssituationen wie Gesprächen auf Feiern oder in belebten Restaurants: Trotz hoher Umgebungslautstärke gelingt es, sich auf einen bestimmten Gesprächspartner oder sogar auf ein Gespräch am Nachbartisch zu konzentrieren.
Leistungsfähigkeit des Gehörs
Messungen zeigen, dass das menschliche Gehör eine Störschallunterdrückung von etwa 9 bis 15 dB erreichen kann. Da ein Pegelunterschied von rund 10 dB subjektiv als Verdopplung oder Halbierung der Lautstärke wahrgenommen wird, erscheint die gewünschte Schallquelle deutlich lauter als die Umgebungsgeräusche.
Auf diese Weise kann Sprache auch in sehr lauten Umgebungen noch verstanden werden – zumindest bis zu einem gewissen Grad.
Binaurales Hören als Voraussetzung
Der Cocktailparty-Effekt tritt nur beim Hören mit zwei Ohren auf. Er steht daher in engem Zusammenhang mit dem binauralen Hören und der Fähigkeit, Schallquellen räumlich zu lokalisieren.
Durch minimale Unterschiede in Laufzeit, Pegel und Klangfarbe zwischen rechtem und linkem Ohr kann das Gehirn die Richtung einer Schallquelle bestimmen. Schallanteile aus anderen Richtungen lassen sich dadurch gezielt abschwächen.
Eine Leistung des Gehirns?
Vieles deutet darauf hin, dass der Cocktailparty-Effekt nicht allein im Ohr entsteht, sondern vor allem im Gehirn verarbeitet wird.
Forschungen aus dem Bereich der Neurowissenschaften zeigen, dass es im auditorischen Kortex spezialisierte Nervenzellen gibt, die Konsonanten und Vokale besonders schnell unterscheiden können. Diese Zellen reagieren selektiv auf bestimmte Sprachlaute und helfen, relevante Informationen aus einem komplexen Schallgemisch herauszufiltern.
Interessanterweise zeigen einige dieser Neuronen auch Aktivität beim Lippenlesen, was auf eine enge Verknüpfung von Hören und Sehen hinweist.
Ob diese Fähigkeit vollständig angeboren ist oder sich durch Erfahrung und Training entwickelt, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Bedeutung für die Raumakustik
In stark halligen oder sehr lauten Räumen stößt der Cocktailparty-Effekt an seine Grenzen. Lange Nachhallzeiten und viele frühe Reflexionen überlagern die feinen Unterschiede zwischen den Ohrsignalen.
Eine gute Raumakustik unterstützt daher das natürliche selektive Hören, reduziert Höranstrengung und verbessert die Verständlichkeit von Sprache – besonders in Gesprächs- und Arbeitsräumen.
