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Wissenswertes · Akustik

Warum Schnee die Welt leiser macht

Sobald eine Schneedecke die Umgebung bedeckt, wirkt alles plötzlich ruhiger. Schnee absorbiert Schall statt ihn zu reflektieren. Messungen zeigen, dass sich der Lärmpegel deutlich reduziert – ein natürliches Prinzip, das auch in der Raumakustik genutzt wird.

Kaum hat sich die Umgebung in eine geschlossene Schneedecke gehüllt, spürt und hört man es sofort: Es ist leiser geworden. Der Schnee auf Straßen, Dächern und Wiesen schluckt den Schall, anstatt ihn zu reflektieren. Geräusche wirken dumpfer, der Lärm verliert schneller an Intensität.

Messbarer Unterschied

Diesen Effekt habe ich an der Leipziger Straße (B87) in Taucha gemessen. Ohne Schnee lag der Schalldruckpegel bei 78,4 dB. Bei geschlossener Schneedecke betrug er nur noch 67,8 dB.

Das entspricht einer Differenz von 10,6 dB. Klingt zunächst nicht viel – wird vom menschlichen Gehör jedoch als etwa halb so laut wahrgenommen. Eine Pegeländerung von rund 10 dB entspricht einer Verdopplung oder Halbierung der empfundenen Lautstärke.

Der Schnee reduziert den Umgebungslärm also um etwa 50 %.

Wie schluckt Schnee den Schall?

Um diesen Effekt zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf den Aufbau von Schnee und Schneeflocken.

Schallwellen treffen auf Schneeflocken und werden absorbiert
Schneeflocken mit ihrer verzweigten Struktur wirken wie ein natürlicher Schallabsorber: Schallwellen werden gebremst und verlieren Energie.



Schnee entsteht in Wolken bei Temperaturen um etwa -12 °C, wenn sich feinste Wassertröpfchen an Kristallisationskeime anlagern und gefrieren. Die entstehenden Eiskristalle wachsen beim Fallen durch die Aufnahme weiterer Wassermoleküle.

Aufgrund der molekularen Struktur von Wasser sind bei der Kristallisation nur Winkel von 60° oder 120° möglich. Dadurch entstehen die typischen sechseckigen Formen. Kleine Wassertröpfchen verkleben die Kristalle miteinander – so bilden sich Schneeflocken.

Die durchschnittliche Größe einer Schneeflocke liegt bei etwa 5 mm, ihr Gewicht bei rund 4 mg. Je wärmer es ist, desto größer können die Flocken werden, da die Kristallenden leicht anschmelzen und sich neu miteinander verbinden.

Schnee als natürlicher Schallabsorber

Durch ihr geringes Gewicht und ihre große Oberfläche haben Schneeflocken einen hohen Luftwiderstand und fallen nahezu unabhängig von ihrer Größe mit etwa 4 km/h zu Boden. Dort bleiben sie bei Temperaturen unter 0 °C liegen und verbinden sich über ihre Äste miteinander.

Zwischen diesen Strukturen wird Luft eingeschlossen. Eine Schneedecke besteht somit aus einem Geflecht aus Eiskristallen und eingeschlossenen Luftkammern – ein Aufbau, der hervorragend zur Schallabsorption geeignet ist.

Der sich wellenförmig ausbreitende Schall wird an den feinen Verästelungen der Flocken gebremst und in den Luftkammern immer wieder reflektiert. Dabei wechselt er zwischen Luftschall und Körperschall und verliert schrittweise seine Energie.

Physikalisch gesehen geht diese Energie nicht verloren, sondern wird in Wärmeenergie umgewandelt.

Vom Schnee zur Raumakustik

Nach dem gleichen Grundprinzip funktionieren auch Schallabsorber in der Raumakustik. Poröse Materialien mit vielen eingeschlossenen Luftkammern bremsen den Schall und verhindern, dass er von harten Oberflächen reflektiert wird.

Da der Schall im Schnee nicht weitergetragen wird, fehlen die sonst üblichen Reflexionen an Straßen, Wegen oder Hausdächern. Der Nachhall verkürzt sich stark oder bleibt ganz aus – und es wird stiller, wenn Schnee rieselt.

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