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Wissenswertes · Akustik

Ein Schlossgespenst namens Nachhall

Nachhall kann mehr sein als ein akustisches Problem. Eine nächtliche Begebenheit im Schloss Moritzburg zeigt eindrucksvoll, wie reflektierter Schall Wahrnehmung täuscht – und warum Nachhall selbst erfahrene Ohren erschrecken kann.

In manchem Schloss sind die Geister, die frühere Bewohner riefen, Legenden, Schatten der Wirklichkeit oder pure Einbildung. Nicht so im Schloss Moritzburg.

Der Wandelgang des Schlosses – bekannt aus dem Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ – ist so lang, dass der Nachhall dem Nachtwächter einst einen gehörigen Schrecken eingejagt haben soll.

Schloss Moritzburg bei Nacht mit langem Wandelgang
Schloss Moritzburg – der lange Wandelgang sorgt durch starke Reflexionen für ungewöhnliche Nachhallzeiten.


Der Wachmann schloss bei seiner ersten Nachtwache die Tür zwischen Schrankzimmer und Wandelgang, ging ein paar Schritte – und hörte gefühlt viele Sekunden später, wie jemand hinter ihm eine Tür verriegelte.

Nachts allein im Schloss kann man bei so einem Geräusch schnell an Geister oder andere ungebetene Gäste denken.

Wie lange braucht der Schall wirklich?

Ob es tatsächlich rund zehn Sekunden dauert, bis der Schall einmal um den Wandelgang herum reflektiert wird, konnten wir leider nicht nachmessen. Der Gang ist etwa 140 Meter lang.

Bei einer Schallgeschwindigkeit von:

c = 343 m/s (bei 20 °C)

benötigt der Schall für diese Strecke rein rechnerisch nur etwa 0,4 Sekunden.

Doch Schall biegt an Ecken nicht einfach um 90 Grad ab. Er wird zwischen den Wänden vielfach reflektiert. In zehn Sekunden legt Schall eine Strecke von rund 3,43 Kilometern zurück – das entspricht etwa der 24-fachen Länge des Wandelgangs.

Selbst wenn der Nachhall „schon“ nach drei bis fünf Sekunden eintrifft, ist der Schrecken in nächtlicher Stille enorm.

Stellen Sie sich vor: Sie machen einen lauten Schritt – und mehrere Sekunden später hören Sie, wie sich jemand nähert. Kein Geist, sondern Sie selbst. Doch in dunkler Nacht kann einem bei solchem Nachhall durchaus mulmig werden.

Schallgruselattacken in Büro, Werkhalle & Co.?

Auch in Büros, Empfangshallen oder Werkhallen kann Nachhall irritierend wirken – wenn auch meist weniger dramatisch als im Schloss.

Was hilft gegen das akustische Grauen? Eine kleine, nicht ganz ernst gemeinte Liste:

  • Weglaufen – ein natürlicher Reflex, in der Arbeitswelt aber wenig praktikabel.
  • Alle sprechen nicht, bewegen sich auf Zehenspitzen, Telefone bleiben stumm.
  • Dicke Stoffe vor Fenstern und an Wänden – akustisch wirksam, gestalterisch anspruchsvoll.

Ernsthaft betrachtet hilft vor allem eines: sich der dauerhaft belastenden Wirkung von Nachhall bewusst zu werden und gezielt gegenzusteuern.

Unabhängig von der gewählten Lösung verbessert eine reduzierte Nachhallzeit die Wahrnehmung, senkt den Lärmpegel und macht Räume deutlich angenehmer nutzbar.

Ein gutes neues Jahr für alle Leserinnen und Leser.

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