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Wissenswertes · Bild

Mit weniger Testosteron zur Höhlenmalerei

Warum Freundlichkeit ein Motor kultureller Entwicklung gewesen sein könnte

Höhlenmalereien sind Ausdruck eines tiefgreifenden Entwicklungssprungs des Menschen. Neue anthropologische Studien legen nahe, dass dieser Wandel nicht nur technisch, sondern auch biologisch und sozial bedingt war – möglicherweise ausgelöst durch einen sinkenden Testosteronspiegel und zunehmende soziale Kooperation.

Die Höhlenmalereien gelten als sichtbarer Beweis für die ersten Schritte des Menschen in die Welt der Kunst. Diese Bilder entstanden vor mehr als 40.000 Jahren. Doch bereits rund 10.000 Jahre zuvor hatte die Menschheit einen entscheidenden Entwicklungssprung vollzogen – einen Wandel, der den Weg zu Kunst, Symbolik und Kultur ebnete.

Ein Entwicklungssprung vor 50.000 Jahren

Wissenschaftler der Duke University und der University of Utah stellen in einer Studie die These auf, dass dieser Entwicklungssprung mit einem veränderten Hormonhaushalt zusammenhing. Vor etwa 50.000 Jahren begann der Homo sapiens, Feuer gezielt zu kontrollieren, Werkzeuge und Waffen systematisch herzustellen – und ein deutlich gesteigertes Interesse an Kunst und Symbolik zu entwickeln.

Nach Ansicht der Forscher könnte ein sinkender Testosteronspiegel dabei eine zentrale Rolle gespielt haben. Testosteron gilt als sogenanntes Männlichkeitshormon und beeinflusst Muskelwachstum, Körperbehaarung und Fortpflanzung – aber auch Aggression, Konkurrenzverhalten und Imponiergehabe.

Strukturformel des Hormons Testosteron (C19H28O2)
Strukturformel des Hormons Testosteron (C19H28O2). Veränderungen im Hormonhaushalt werden als möglicher Faktor für soziale und kulturelle Entwicklungen diskutiert.


Weniger Aggression, mehr Kooperation

Hohe Testosteronwerte begünstigen Kampfbereitschaft und Dominanzverhalten. Die Forscher vermuten, dass ein Rückgang dieses hormonellen Antriebs dazu führte, dass Menschen freundlicher, kooperativer und sozial verträglicher wurden.

Genau diese soziale Veränderung könnte den kulturellen Fortschritt ermöglicht haben. Freundliche Individuen tauschten Wissen aus: über neue Werkzeuge, über den besseren Umgang mit Feuer und über essbare oder giftige Pflanzen. Kooperation wurde zur neuen Überlebensstrategie.

Spuren im Schädelbau

Unterstützt wird diese Theorie durch Schädelvergleiche aus verschiedenen Epochen. Im Verlauf der Evolution veränderte sich das Erscheinungsbild des Homo sapiens deutlich: Die Gesichter wurden weniger kantig, die Stirn flacher, die ausgeprägten Augenbrauenwülste kleiner.

Die Forscher sprechen hier von einer „Feminisierung“ bestimmter Gesichtszüge – ein mögliches Indiz für sinkende Testosteronwerte über Generationen hinweg.

Die Evolution bevorzugt die Freundlichen

Ob der Testosteronrückgang allein für diesen Wandel verantwortlich war, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist jedoch, dass zur gleichen Zeit die Bevölkerungsdichte zunahm. Menschen begegneten sich häufiger und in größeren Gruppen.

In solchen sozialen Strukturen wurden Eigenschaften wie Freundlichkeit, Lernbereitschaft und Kommunikation zunehmend wichtiger. Wer kooperierte, profitierte vom Wissen der anderen – und verschaffte sich so einen technologischen und kulturellen Vorsprung.

Die Evolution war damit auf der Seite jener, die durch soziale Offenheit und gegenseitige Hilfe erfolgreicher waren. Kunst, Symbolik und schließlich Kultur konnten sich so entwickeln.

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