Die Anfänge der Kunst – Höhlenmalerei
Warum Bilder zu den ältesten Ausdrucksformen des Menschen gehören
Lange bevor es Museen, Leinwände oder Papier gab, begannen Menschen damit, Bilder zu schaffen. Höhlenmalereien aus der Steinzeit zählen zu den ältesten erhaltenen Bildwerken der Menschheit und geben Einblick in Wahrnehmung, Erinnerung und Bilddenken unserer Vorfahren.
Wir Menschen lieben es, uns mit Bildern zu umgeben. Das zeigt sich nicht nur in Museen und Galerien der Hochkultur, sondern ebenso in alltäglichen Formen wie Graffiti im öffentlichen Raum. Die wohl ältesten bekannten „Graffiti“ der Menschheit sind die Höhlenmalereien und Felsbilder aus der Steinzeit.
Die ältesten Bilder der Menschheit
Höhlenmalereien können als die frühesten erhaltenen Zeugnisse bildnerischen Gestaltens gelten. Sicher haben Menschen schon lange zuvor mit dem Finger in Sand oder Schnee gezeichnet – doch diese frühen Bilder sind nicht erhalten geblieben.
Die ältesten bekannten Höhlenmalereien befinden sich in der Chauvet-Höhle im französischen Département Ardèche. Sie sind rund 30.000 Jahre alt. Der Eingang der Höhle war fast 20.000 Jahre lang verschüttet und wurde erst im Jahr 1994 wiederentdeckt.
In den unterirdischen Gängen und Sälen wurden über 400 einzelne Darstellungen entdeckt. Die Bilder waren ausschließlich im Schein mitgebrachter Lichtquellen sichtbar – vermutlich nutzten die Menschen Fackeln oder einfache Öllampen.
Motive, Materialien und Erinnerung
Die meisten Darstellungen zeigen Tiere wie Pferde, Löwen, Bisons oder Mammuts. Daneben finden sich auch Handabdrücke und abstrakte Zeichen. Als Malmaterial dienten unter anderem Holzkohle, Erze, Kalkstein, Pflanzenharze, Blut oder Milch.
Bemerkenswert ist die Fähigkeit der damaligen Künstler, Tiere aus dem Gedächtnis darzustellen – oft sogar in Bewegung. Die Bilder zeigen nicht nur Umrisse, sondern Dynamik, Überlagerungen und bewusste Komposition.
Wozu wurden die Bilder geschaffen?
Über die Bedeutung der Höhlenmalereien sind sich Forscher bis heute nicht einig. Wurden die Höhlen als Kultstätten genutzt? Dienten die Bilder rituellen Zwecken, der Jagdmagie oder der Weitergabe von Wissen? Oder waren sie Ausdruck eines frühen ästhetischen Bedürfnisses?
Vermutlich lassen sich diese Fragen nicht eindeutig beantworten. Sicher ist jedoch: Die Höhlenmalereien zeigen, dass Bilddenken, Symbolik und Erinnerung tief in der menschlichen Entwicklung verankert sind.
Zugang zur Chauvet-Höhle
Das Betreten der originalen Chauvet-Höhle ist heute streng reglementiert. Um die empfindlichen Bilder zu schützen, haben nur Wissenschaftler unter strengen Auflagen Zugang. Der Atem vieler Besucher könnte das Mikroklima der Höhle verändern und die Malereien langfristig schädigen.
Einen eindrucksvollen Einblick bietet der Film „Die Höhle der vergessenen Träume“ von Werner Herzog. Der 3D-Film ermöglicht einen nahezu körperlichen Eindruck der Räume und Bilder.
Weitere Fundorte
Weitere berühmte Höhlenmalereien finden sich unter anderem in:
- Lascaux (Südfrankreich)
- Altamira (Nordspanien)
- Italien und Russland
- Afrika, Südamerika und Asien
In Regionen wie Südafrika und Australien ist das Bemalen von Felsen und Höhlen sogar bis in die Gegenwart dokumentiert.
